ERW- und LSAW-Rohre sind beides geradnahtgeschweißte Rohre, die hauptsächlich für den Transport von Flüssigkeiten, insbesondere für Öl- und Gasleitungen über lange Strecken, eingesetzt werden. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Rohrtypen liegt im Schweißverfahren. Unterschiedliche Verfahren verleihen den Rohren unterschiedliche Eigenschaften und machen sie für verschiedene Anwendungsbereiche geeignet.
ERW-Rohre werden mittels Hochfrequenz-Widerstandsschweißen aus warmgewalzten Stahlbändern hergestellt. Dank der Verwendung von gewalzten Stahlbändern/-coils mit gleichmäßigen und präzisen Abmessungen zählen sie zu den am weitesten verbreiteten Rohren und bieten Vorteile wie hohe Maßgenauigkeit, gleichmäßige Wandstärke und gute Oberflächenqualität. Das Verfahren zeichnet sich durch kurze Schweißnähte und hohe Druckbeständigkeit aus, ermöglicht jedoch nur die Herstellung dünnwandiger Rohre mit kleinem bis mittlerem Durchmesser (abhängig von der Größe des verwendeten Stahlbandes oder -blechs). Die Schweißnaht neigt zu Graustellen, unvollständiger Verschweißung, Rillen und Korrosionsfehlern. Aktuelle Anwendungsgebiete sind der Transport von Stadtgas und Rohölprodukten.
Das LSAW-Rohr wird im Unterpulverschweißverfahren hergestellt. Dabei dient eine einzelne, mitteldicke Stahlplatte als Rohmaterial. Durch Innen- und Außenschweißungen an der Schweißstelle wird der Durchmesser erweitert. Dank der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Stahlplatten als Rohmaterial weisen die Schweißnähte eine hohe Zähigkeit, Plastizität, Gleichmäßigkeit und Kompaktheit auf und bieten Vorteile wie große Rohrdurchmesser, Wandstärken, hohe Druck-, Tieftemperatur- und Korrosionsbeständigkeit. Beim Bau von hochfesten, zähen und qualitativ hochwertigen Öl- und Gasfernleitungen werden überwiegend dickwandige, geradnahtgeschweißte Rohre mit großem Durchmesser benötigt. Gemäß API-Standard sind geradnahtgeschweißte Rohre die einzige zulässige Rohrart für große Öl- und Gasleitungen, die durch Gebiete der Klassen 1 und 2 verlaufen, wie beispielsweise alpine Regionen, Meeresböden und dicht besiedelte Stadtgebiete.
Veröffentlichungsdatum: 20. Oktober 2021